12. Tag - Eine Insel mit zwei Bergen
Treffen für unseren Tagesausflug ist an der Rezeption schon 5:30 Uhr in der Früh. Wann man da aufstehen muss, kann man sich dann ja leicht denken. Die ganze Hotelanlage liegt noch im Dunkeln. Und so stolpern wir, ohne was zu sehen, in Richtung Rezeption. Wir sind schon etwas eher da. Die anderen Teilnehmer aber auch. So geht es schon etwas früher los. Mit einem hoteleigenen Shuttlebus fahren wir in Richtung Grenze.
Von der Landschaft bekommen wir nichts mit, die Finsternis ist noch undurchdringbar. Dafür läuft die Klimaanlage schon auf vollen Touren obwohl es ohne Sonne eigentlich gar nicht notwendig wäre. Gegen 7:00 Uhr sind wir an der Grenze zu Nicaragua.
Hier werden wir vom Reiseführer in Empfang genommen. Die Aus- und Einreiseformalitäten ziehen sich ganz schön in die Länge, obwohl wir noch am gleichen Tag die Grenze wieder in die andere Richtung überqueren werden.
Nachdem wir endlich die Grenze hinter uns haben, fahren wir an den Nicaragua-See, dem größten See Nicaraguas. In der Mitte des Sees ragen zwei Vulkane aus dem Wasser, die eine Insel bilden. Sofort denken wir, hier ist die Heimat von Jim Knopf. Das ist die sagenumwobene Insel mit zwei Bergen. Vor so einem Panorama schmeckt das Frühstück doppelt gut. Gestärkt fahren wir weiter ins Landesinnere.
Wir fahren zu einem Kratersee in San Juan de Oriente. Die Aussicht ist phantastisch. Wir sind nicht die Einzigen, die den Anblick genießen. Die Schüler einer nahegelegenen Schule essen vor diesem Panorama ihr Pausenbrot. Auf dem Rückweg zum Bus probieren wir alle von einer einheimischen Frucht. Zuvor hatte noch keiner von uns je von dieser Frucht gehört. Sie schmeckt süß, ist aber sonst nicht so unser Fall. ??? heißt die Frucht. Wir gehen noch weiter durch die Stadt. Hier gibt es einige Läden mit lokalem Kunsthandwerk, aber das ist nicht so unser Ding.
Als nächstes fahren wir zum Vulkan Massaya. Unterwegs platzt bei unserem Bus ein Schlauch für die Kühlung. Ein Weiterfahren ist so unmöglich. Also warten wir am Straßenrand auf den Ersatzbus. Nach kurzer Zeit, kommt tatsächlich auch ein Bus, der uns bis zum Nationalpark des Vulkans bringt. Hier genießen wir die tolle Aussicht über das Land. Und den interessanten Blick in den Krater. Auf dem Rückweg besuchen wir noch kurz das Museum des Nationalparks. Hier wird die Entstehung der Vulkane im Laufe der Zeit gezeigt. Wir fahren nach Massaya-Stadt. Im Zentrum der Stadt gibt es einen Marktplatz mit vielen Ständen und Restaurants. In einem dieser Restaurants ist ein Tisch für uns reserviert. Wir essen lokale Speisen und Getränke. Die meisten Sachen sind sehr lecker. Nach dem Essen haben wir noch etwas Zeit, uns in der Stadt umzusehen.
Die nächste Station auf unserem Ausflug ist Granada. Nach einer Stadtführung durch die koloniale Altstadt machen wir noch eine Stadtrundfahrt in einer Kutsche. Ich habe immer gedacht, dass so was ziemlich kitschig wäre. Es ist aber richtig schön, ein wenig komisch ist es schon, weil jeder einen anguckt. Unterwegs machen wir noch einen kurzen Stopp. Wir besichtigen eine kleine Zigarrenmanufaktur. Angeblich bezieht Arnold Schwarzenegger seine Zigarren von hier. Der angestellte Zigarrendreher rollt etwa 500 Stück an einem Tag und bekommt dafür 100 Cordoba (das sind aktuell 6,25 US$) Tageslohn. Nach der Kutschfahrt ist leider der Tagesausflug schon zu ende.
Es geht zurück zur Grenze. Auch auf der Rückfahrt ist der Grenzverkehr einfach abenteuerlich. Es dauert über eine Stunde, bis wir die Fahrt fortsetzen können. Auf der Rückfahrt ist die Klimaanlage wieder so weit aufgedreht, dass alle im Bus frieren, aber komischerweise sagt niemand was. Der Ausflug war zwar sehr teuer (135 US$), er hat sich aber doch gelohnt.
Ich fand Nicaragua noch wesentlich ursprünglicher als Costa Rica, aber es ist auch wesentlich ärmer.